Fahrtauglichkeit im Alter – An’s Steuer: Ja oder Nein?

Nicht nur für ältere Menschen ist die Frage „Darf ich noch fahren oder nicht?“ von großer Relevanz; auch Angehörige fühlen sich verantwortlich gegenüber ihren Eltern, Schwiegereltern und natürlich auch gegenüber der Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer. Dies führt häufig zu Diskussionen innerhalb einer Familie und kann Konflikte auslösen. Aber wie sieht die Sachlage eigentlich aus? Neigen Senioren wirklich eher dazu, Unfälle zu verursachen? Und kann ich meinen älteren Angehörigem im Extremfall das Autofahren verbieten lassen? Fragen über Fragen, die häufig Unsicherheit auslösen.

Daten und Fakten

Fakt ist: Diverse Studien haben belegt, dass Autofahrer bis 75 Jahre nicht zwanghaft zu einer höheren Risikogruppe gehören. Es ist eher das Gegenteil der Fall. Das Fahrverhalten von Senioren ist vorsichtiger und vorausschauender im Vergleich zu dem der jüngeren Autofahrer. Sie verfügen über genügend Erfahrung, können Gefahrensituationen besser einschätzen und neigen weniger zum Rasen. Senioren kompensieren Defizite auch gekonnt dadurch, das Auto einfach mal stehen zu lassen oder einen größeren Abstand zum Vordermann beizubehalten. Sicherheit geht eben vor. Allerdings sind gerade aus diesem Grund statistische Werte schwierig gegen zu Rechnen, da Senioren weniger fahren als jüngere Generationen. Zudem steigt Statistiken zufolge das Gefahrenrisiko ab 75 auch wieder an.

Gründe für mögliche Defizite beim Fahren

Der Grund für mangelnde Fahrtüchtigkeit bei Senioren ist nicht unbedingt ein hohes Alter, sondern geht mit der Gesundheit einher. Wichtige relevante Eigenschaften können nachlassen: das Sehvermögen, das Hörvermögen, das Reaktionsvermögen, …. auch bestimmte Medikamente können sich negativ auf das Autofahren auswirken. Problematisch wird es außerdem bei beginnender Demenz, wobei dann schnell die Einsicht in das eigene Verhalten fehlen kann.

Die Rechtslage

Aber um zu der Kernfrage zurückzukehren: DÜRFEN Senioren rein gesetzlich trotzdem fahren? Die Antwort lautet: Ja, sie dürfen. Der Führerschein wird auf Lebenszeit ausgestellt. Die Prüfung muss nicht automatisch erneuert werden und einfach so entzogen werden kann der Schein auch nicht. In einigen anderen Ländern bestehen Gesetze zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit, aber in Deutschland gelten diese nicht. Auf die Mobilität gegebenenfalls zu verzichten ist also, rein rechtlich gesehen, die freie Entscheidung des Einzelnen.

Verantwortlichkeit der Angehörigen

Für viele Menschen im Rentenalter ist das Autofahren immer noch ein Zeichen der Unabhängigkeit und das Abgeben des Führerscheins fast zu vergleichen mit einem Einzug in ein Altersheim. Deswegen kommen an dieser Stelle oft die Angehörigen ins Spiel, die sich verantwortlich fühlen einzuschreiten, sobald sie der Ansicht sind, dass die Sicherheit auf beiden Seiten gefährdet sein könnte. Dies kann Konflikte zur Folge haben. Ob nun ein ruhiges Gespräch in der Familie oder auch mit Lösungen auseinandersetzen, die einen selbst mehr fordern (beispielsweise durch das Übernehmen bestimmter Fahrten),… eine ideale Lösung und eine Gebrauchsanweisung gibt es da nicht.

Prävention und Fahrsicherheitsoptimierung

Wichtig zu wissen ist in jedem Fall, dass es andere Möglichkeiten gibt als: Führerschein oder kein Führerschein. Da muss es nicht zwangsläufig schwarz oder weiß geben. Es wird empfohlen, dass sich Senioren regelmäßig einem Gesundheitscheck unterziehen und auch mit ihrem Arzt über eventuelle Einschränkungen reden. Dieser kann die Situation häufig gut einschätzen.
Ansonsten gibt es zusätzlich einige Möglichkeiten, sich präventiv auf eine veränderte Fahrsituation einzustellen, bevor eine Extremsituation eintritt: Beispielsweise bieten der ADAC und viele Fahrschulen extra Seniorenfahrstunden an, DEKRA und der TÜV haben Mobilitätschecks zur körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit und beim TÜV Hessen gibt es einen Selbstfragebogen.

Fazit

Man sieht, dass altersbedingte Einbüßen der Gesundheit nicht zwangsläufig bedeuten müssen, dass man seinen Führerschein abgeben und auf die Freiheit des Autofahrens verzichten muss. Unter bestimmten Umständen sollte der Wagen jedoch besser stehen gelassen werden. Ein verantwortungsbewusster Umgang und ein wenig Selbstreflexion sind sehr wichtig. Aber: Es gibt einige Dinge, wie das bereits angesprochene Fahrsicherheitstraining, die helfen können noch bis ins hohe Alter sicher auf den Straßen unterwegs zu sein.

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